Trainingskonzepte und -organisation

Wir von Tremonia Fechten e.V. stellen in den Jahren unserer Tätigkeit immer wieder fest, dass es deutlich verschiedene Aspekte des Interesses an historischen Kampfkünsten gibt.
Ebenso merken wir, dass der Anreiz/Triebfeder sich mit historischer Kampfkunst befassen zu wollen, gänzlich anders aussehen kann.
So schließen sich Menschen verschiedener Begabung und mit ganz verschiedenen Zielen zu einer Gruppe zusammen.
Dazu kommen je Individuum sehr unterschiedliche Geschwindigkeiten des Lernens und des persönlichen Fortschritts.

Dem allen wollen wir Rechnung tragen, und quasi jedem „ein Heim zum Wohlfühlen“ bieten.
Daraus resultiert, dass wir unsere langfristigen Ziele so gestalten, dass jeder Sport treibende sich individuell Ziele setzen kann und soll.

Klingt das kompliziert?

Machen wir es einfacher …

Du willst Dich mit anderen messen, willst Deine Geschwindigkeit erproben, oder Deine Reflexe?
Dann wirst Du eher nur am Sparring mit anderen interessiert sein? Somit ist der „Freifechter“ (Erlaubnis zum Sparring/Turnier) für Dich als ein erstes Ziel interessant …

Du willst mit Wissen glänzen, anderen über historische Begebenheiten rund ums Thema Kampf Rede und Antwort stehen können?
Oder Du möchtest mehr über sportliche Aspekte des Kampfsports wissen? Dann strebst Du sicher schnell an, diese Wissenssparten in der Fortgeschrittenen-Gruppe zu erweitern …

Oder Du möchtest strikt historische Abläufe von Kampftechniken oder ihre moderne Weiterentwicklung (Variation) davon ausführen können?
Auch das kannst Du in der Fortgeschrittenen-Gruppe erreichen …

Wichtig: Es ist nicht zwingend gedacht, dass jeder beide Prüfungen ablegt!

Somit sollten sich „vom Herzen her Gelehrte“ genauso bei uns wiederfinden, wie auch „Kämpfer“ oder „reine Sportler“ (die dann ohne jegliche Blessur aus der Halle gehen möchten).

Disclaimer
Wir betreiben Sport. Da wird es trotz bestem Wissen, und (später) trotz Können, immer mal wieder zu Blessuren (Schrammen, blaue Flecken, etc.) kommen …
Wir, und Ihr, werdet das leider niemals völlig ausschließen können.
Wünschen tun wir Euch und uns natürlich, dass niemals etwas Negatives vorfällt!
Und wir gestalten die Aspekte des Trainings nach allen Möglichkeiten, um diesem Wunsch gerecht zu werden!

Eine Trennung nach Trainingsstand findet in der „Dolch & Ringen“-Gruppe (mittwochs) und in der „Seitschwert“-Gruppe (dienstags) erst mal nicht statt.

Wir Trainer behalten Euch in jeder Gruppe im Blick und werden schnell jedem individuell mitteilen können, wo sie/er steht, wo wir Wissenslücken oder Defizite im Können sehen (immer abhängig von der Dauer, in der ihr Mitglied seid), oder teilen Euch auch gerne Lernfortschritte, Leistungssteigerungen und persönliche Stärken und Talente mit.
Es kommt aber ja nicht nur auf unsere Einschätzung an, und wie gut wir Euch kennen … Ihr sollt ja auch Euren jeweiligen Übungspartnern vertrauen können! Schließlich werdet Ihr die Vielzahl an Übungen ja mit anderen Mitgliedern bestreiten.

In einer kleinen Gruppe („Dolch & Ringen“ und „Seitschwert“) werdet ihr selbst schnell einschätzen können, wie Eure Mit-Trainierenden so sind, wie Ihr ihnen begegnet, und wie sie Euch.
Die „Langschwert“-Abteilung ist dafür deutlich zu groß, und die Durchmischung (wer wann mal da ist) ist auch deutlich höher. Da schnell alle kennen zu wollen, wenn man selbst nur Mitglied ist, ist herausfordernd …

Zu diesen Zwecken bieten wir für die Langschwert-Trainierenden zwei verschiedene und nicht aufeinander aufbauende Prüfungen an, die Dir ein Ausleben Deiner Interessen möglich machen kann/soll.
Unser zeitlicher Aufbau des Langschwert-Trainings soll gewährleisten, dass jeder gemäß seiner langfristigen oder aktuellen Interessen Zeit und Raum hat, sich selbst auszuprobieren, und eigene Lernfortschritte zu machen.

Zeitlicher Ablauf des Trainings (Langschwert), Auftrennung in Gruppen

Wir wollen keine Trennung des Trainings, bzw. der Mitglieder im Verein, die auf eine soziale Trennung von „Niveau-Gruppen“ hinwirkt (weder beabsichtigt, noch durch Umstände).
Wir möchten, dass sich jeder, egal ob Anfänger oder weiter Fortgeschrittene sich als Teil der Gemeinschaft wiederfindet.
Deswegen haben wir uns zu einem gemeinsamen Training von ca. einer Stunde entschlossen, an dem alle miteinander und durchmischt teilnehmen.
So wollen wir uns aufwärmen und ein Thema (monatlich wechselnd) grundsätzlich an-arbeiten. (Nicht auf gesteigertem Niveau. Damit alle teilnehmen können)
Nach dieser ersten Stunde wird die Gruppe in Anfänger und Geprobte(Fortgeschrittene) aufgeteilt.
Die Anfänger gehen dann näher auf Basiswissen und grundlegende Ausführungen ein, während die Geprobten(Fortgeschrittenen) das Monatsthema „intensiv“ (detailreicher, variationsreicher, schneller) lernen dürfen.
Aufs Ende der Gesamttrainingseinheit zu, wird allen denjenigen, die die Sparringserlaubnis erworben hatten, gestattet, frei gegeneinander anzutreten.
Hat jemand die Erlaubnis zum freien Kämpfen nicht, oder möchte sich (am jeweiligen Termin) nicht mit anderen messen, dann verbleiben diese an den jeweiligen Themen, oder bereiten selbstständig (mit Möglichkeit zur Hilfe seitens eines Trainers) eigene Themen je persönlichem Interesse.

Zeitlicher Ablauf … „aus Gründen…“

Es mag auf den ersten Blick seltsam erscheinen, dass Anfänger Grundlagen erlernen, nachdem ein wahrscheinlich komplexeres Thema angesagt war, aber …

  1. … Menschen lernen auch und gerade aneinander. Ein Anfänger guckt sich Sachen ab, und ein Fortgeschrittener lernt seine Leistung und sein Vermögen anders einzuschätzen. Bei einem Kampf (zwischen Unbeteiligten) ergibt sich ja auch eine „Differenz des Könnens“ der Beteiligten…
  2. … alleine schon der Einstieg in historische Kampfkünste ist (leider) mit der Hürde behaftet, dass so gut wie kein Aspekt oder Teilbereich dessen an unseren Alltag heranreicht. Alles scheint fremd oder falsch, weder Bücher noch Filme bieten mehr als Klischees, und selbst falls man historisch akkurate Informationen hatte, so gestaltet sich Training und freier Kampf sehr häufig völlig anders, als erwartet.
    Jeder ist/war da überfordert.
    Da kann es schon helfen (psychologisch), lieber enger in die Gruppe integriert zu sein, als dass man lange „von außen herangeführt“ wird, aber sich auch „außen vor“ fühlt, weil man von anderen separiert wird…
  3. … „Vokabeln“ (Fachausdrücke), Stellungen, Details,… lernt man eh mit der Zeit, und auch gut durch Nachahmung.

Bisher

Bis zum Jahreswechsel 24/25 haben wir eine einzige Prüfung zur Fortgeschrittenen-Gruppe angeboten und gefordert. Diese enthielt sowohl die Erlaubnis zum unbeaufsichtigten Sparring (und der Teilnahme an internen Turnieren), sowie der Teilnahme an dem Fortgeschrittenen-Training.
Leider ergaben sich immer wieder Situationen, die wir nicht zufriedenstellend konsistent durchgeführt haben.
Zum Beispiel konnten Anfänger nicht die kleinste Ahnung erhalten, wie sich eine „Kampfsituation“ (Sparring/Turnier) „anfühlt“, bevor sie endlich Fortgeschrittene waren. So haben sich leider einige Ängste und Falschvorstellungen aufgebaut – zumindest bei einzelnen Personen – die deren Lernfortschritte oder sogar deren Spaß an der Sache arg gebremst haben.
Oder wir haben es Vereinswechslern gestattet, sich selber in der Fortgeschrittenen-Gruppe starten zu lassen, ohne dass eine tatsächliche „offizielle“ Eignung zum freien Kampf, oder ein Basiswissen und/oder –Können überprüft wurde. Das könnte zu Unmut bei Anfängern (oder „eigenen“ Freifechtern) geführt haben, die sich fragten „Warum muss ich mich prüfen lassen, der/die aber nicht?“.

Als zusätzlichem Punkt: Wir machen jetzt seit ca. einem Jahr gute Erfahrungen mit Sparring für Anfänger (Polsterwaffen, geänderte Regeln, Aufsicht). Da sind sowohl die Einschätzungen von uns Trainern, dass da Gewinn an der Sache geschieht, als auch das direkte Feedback durch die Mitglieder.
Natürlich verfremden die Polsterwaffen das Kämpfen sehr stark. Aber die Personen, die von den Polsterwaffen auf Stahl wechseln dürfen (bisherige/alte „Freifechterprüfung“), schildern es uns, als dass der „Sprung ins kalte Wasser“ nicht ganz so schwer erscheint, wenn man ja nun schon „Kampferfahrung“ hat…

Ab 2025

Wir von Tremonia Fechten e.V. bieten die alte Freifechter-Prüfung nur noch innerhalb der ersten vier Monate des Jahres 2025 an!
Aber schon ab Jahresanfang bieten wir auch die neuen Ausrichtungen an.
Danach wird ausschließlich nur nach dem neuen System geprüft!
Vereinswechsler haben dann auch die Möglichkeit (nach kurzer Eingewöhnung in den Verein/die Gruppe; 2 Monate ab erstem Training, gerne früher) und die Pflicht sich der (neuen) Freifechter-Prüfung und/oder der Fortgeschrittenen-/“Geprobten“-Prüfung zu stellen.

Kann ich mich selbst (vor-)bilden?
Ja. Jeder von Euch kommt ja mit Ideen, Gedanken und Hoffnungen wie es sein könnte …
Das kann man ja als Einstieg in Selbst-Bildung sehen!
Die Möglichkeiten, selber aktiver zu sein, sind allerdings beschränkt.
Nicht nur, dass nicht jeder Platz und Trainingsmöglichkeiten hat, oder gar Übungspartner, nein, oft fehlt es auch an Material…
„Den Kopf“ weiterzubilden ist da schon einfacher…
Wir empfehlen (den Hartgesottenen) sich Re-Printe alter Manuskripte zuzulegen, oder gänzliche Neu-Aufarbeitungen der Thematik.

Warum empfiehlt ihr keine YouTube-Videos oder Kanäle (oder ähnlich sonstwas)?
Kurz: Die Qualität schwankt, und die Masse ist nicht überschaubar.
Ein Video im Internet (oder auch ein Lehr“film“, DVD, BluRay) ist eine Momentaufnahme des Wissens und des Könnens der jeweiligen Produzenten. Es ist durchaus denkbar, dass auch eine als Koryphäe anerkannte Person später nicht mehr zufrieden mit ihrem eigenen Video ist, jenes aber im Internet stehen lässt, weil sie noch nicht dazu gekommen ist, etwas neueres (besseres/korrigiertes) zu gestalten.
In diesem Sinne ist ein Video (oder auch jedes Buch, jeder Post oder Thread) ein Diskussionsbeitrag, der irgendwann veraltet sein kann …
Und das gilt für die qualitativ anzuerkennenden Beiträge… Von den ganzen Möchtegerns und McDojos mal abzusehen …
Dementsprechend möchten wir keine weitreichenden Empfehlungen für ein schnell-wechselndes Medium wie das Internet geben.

Was ändert sich für bisherige Alt-Mitglieder?
Wenn Du bereits in der Fortgeschrittenen-Gruppe trainierst, und somit die Erlaubnis für Sparring und Turnier hattest, belassen wir es dabei.
Wenn Du Anfänger bist, dann siehe oben!
Wenn Du „Dolch & Ringen“ oder „Seitschwert“ trainierst … Falls Änderungen anstehen, wird Dich Dein Trainer informieren…

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